Annapurna Circuit Tag 9: Thorung La Pass  

Tag 9 war definitiv der härteste aller Wandertage. Um 4.15 Uhr morgens ging es gleichzeitig mit einer Gruppe Israelis von Thorung Phedi über den Thorung La Pass bis nach Muktinath. Eine lange, anstrengende Strecke! 

Wandern unterm Sternenhimmel 

Bei Dunkelheit mit Taschen- und Stirnlampen startete unsere Gruppe von bestimmt 15 oder etwas mehr Personen. Da aber alle ihr eigenes Tempo hatten verlor sich das Ganze rasch. Es ging steil bergauf, im Zickzack. Über uns der schwarze Sternenhimmel. Die Sterne leuchteten hell, wie ich sie seltenst gesehen habe. Leider war viel zu wenig Zeit das zu genießen. Es herrschten Temperaturen um null Grad und je höher wir kamen, desto eisiger wurde es! Der Boden war tiefgefroren, meine Hände und Füße Eiszapfen, meine Nase wollte nicht aufhören zu laufen und meine Energie und Lust auf diese frühe Wanderung hielt sich doch stark in Grenzen.

Thorung Phedi liegt auf einer Höhe von 4.450 Metern. Auf 4.925 Metern liegt das Thorung High Camp, dass ich mit zwei israelischen Gefährten kurz vor 6 erreichte. Der Porter und die Spanierin waren mal wieder wesentlich schneller dort. Dieser Part war schon schwierig. So früh morgens. Diese Anstrengung. Quälerei. Mein Körper wurde einfach nicht dafür gemacht bergauf zu gehen.

Thorung High Camp

Als wir dann endlich das Thorung High Camp erreichten, war Zeit zu frühstücken. Auswahl an Restaurants gab es nicht, da es nur ein Gasthaus mit Restaurant gibt, aber immerhin das!

Ich war wieder sehr am leiden nach dem anstrengenden Aufstieg und äußerte laut die Frage: „Why am I doing this?!“ Und einer der Israelis antwortete: „Did you watch the movie Himalaya? There’s one guy asking the same question and the other one answers ‚because we can!‘.“ Und irgendwie stimmt es ja. Wir machen solche Sachen, weil wir es können, weil es uns an Grenzen bringt und Grenzen überschreiten lässt. Wir machen solche Sachen, weil wir Spaß daran haben, weil wir das Extreme suchen und einfach ja langweilig wäre.

Mittlerweile war es hell und die Sonnenstrahlen krochen über die Berge. Die anschließende Wanderung wurde mit der Wärme der Sonne immer angenehmer.

Nur noch 491 Höhenmeter bis zum Pass 

Die Stimmung war allgemein besser nach der kurzen Pause und mit mehr Energie und Freude (bei mir) ging es weiter.

Die Landschaft war karg. Nichts als Stein und etwas Eis. Der Boden tiefgefroren. Immer weiter und weiter ging es hinauf, mal bergab dann wieder bergauf. Über eine Brücke und einen halb gefrorenen Fluss.

Am Wegesrand warteten in Abständen ein Nepali mit Pferd, das man mieten konnte, falls einem Puste und Kraft ausgingen. Für 5.000 Rupiah (=50 USD) wurde es mir ohne Verhandlung angebotenen, aber ich war guter Stimmung und zuversichtlich, dass meine Beine mich selbst über den Pass tragen können. Später wünschte ich mir dieses Pferd herbei.

Die Stille

Ich lief oder besser gesagt schlich so voran, blieb stehen, schlich weiter. Die anderen waren fast aus Sichtweite vor mir oder ein ganzes Stück hinter mir. Weit und breit nichts und niemand um mich herum. Und wie ich so da stand und meine Umgebung anschaute, bemerkte ich diese Stille! Eine unglaubliche Stille. Es war so still, dass es mir kalt den Rücken runter lief und ich wie erstarrt da stand. Die Stille war so unfassbar, dass ich sie mich fast erdrückte. Nirgends auf der Welt habe ich diese Stille erlebt. Selbst an den ruhigsten Orten mit Ohrstöpseln kann man das nicht erfahren. Ich bin immer noch beeindruckt und gleichzeitig beängstigt von diesem Moment.

Langsam, Schritt für Schritt…

Die letzten 1,5 km vor dem Pass wurden die längsten überhaupt! Ich war mit meiner Geduld am Ende und mit den Nerven auch. Die Anstrengung war einfach extrem für einen absoluten Nicht-Läufer wie mich! Es waren ja bereits irgendwas um 4 Stunden die wir einfach nur bergauf, teilweise bergab und wieder bergauf gelaufen sind! Meine Kraft war am Ende und ich hatte das Gefühl, ich würde nie ankommen. Und dann war ja noch der Abstieg! Ich wünschte, jemand hätte ein Gasthaus dort oben hingesetzt. Immerhin gibt es ja einen Teashop! Ich wäre glatt eine Nacht dort geblieben. Aber alles wünschen half nicht und ich musste erstmal dorthin kommen. Das Pferd war leider weit und breit nicht zu sehen, also keine Chance, um das selber laufen herumzukommen! Und das schlimmste war, dass es plötzlich windig wurde. Die letzten 500 Meter zogen sich einfach unglaublich und der mir entgegen pfeifende Wind ließ mich einfach nur einfrieren. Die Wärme der letzten Stunden war weg.

5.416 Meter

Um kurz nach 10 Uhr erreichte ich den höchsten Punkt der Strecke! Ehrlich gesagt machte der herrschende Wind den ganzen Moment des Passes und seinen 5.416 Metern zu einem ungemütlichen Ort. Die Sicht auf die Berge war zwar schön, aber das bereits auf dem gesamten Weg. Und als ich mich endlich bis auf diesen höchsten Punkt geschleppt hatte, war es eher ein „Aha. Ok. Ein Foto. Zu ungemütlich und weg“. Ich trank noch einen Tee in der dunklen Teestube, die aber der einzige windgeschützte Ort war. Ganze 200 Rupien kostete mein Lemon Tea, also fast 4 Mal so viel wie außerhalb der Berge. Aber egal. Immerhin ein bisschen Wärme und dann ging es auch schon an den Abstieg.

Wieder runter auf 3.780 Meter 

Endlich ging es mal nicht mehr bergauf! Bergab ist definitiv eher meine Stärke und statt eine der langsamen zu sein, war ich hier eine der schnelleren. Keine Ahnung warum, aber meine Kondition kann das problemlos ab.

Aber auch der Abstieg zog und zog sich. Es ging in Schlangenlinien hinunter. Von 5.416 Metern auf 3.780 Meter in Muktinath. Zwei Kilometer davor gab es die ersten Restaurants und weil es schon 13 Uhr war, aßen wir dort zu Mittag. Lust weiter zu laufen hatten wir zwar nicht wirklich, aber meine Motivation war größer als sonst da es ja immer noch bergab ging.

Irgendwann kurz nach 15 Uhr erreichte ich zusammen mit dem Porter Muktinath. Ein komisches kleines Städtchen. Die Gebäude sind alle so quadratisch und irgendwie anders, teilweise moderner als in den anderen Orten.

Geschafft! 

Unglaublich aber wahr: es ist geschafft! Von 1.430 Metern in Chyamche bis auf 5.416 Meter! Es waren unglaubliche 9 Tage mit so vielen Eindrücken, unterschiedlichen Landschaften und Ausblicken. Es war anstrengend, aber auch wunderschön zugleich. Auf jeden Fall etwas außergewöhnliches auf meiner Reise.

Nochmal?!

Ob ich so etwas nochmal machen werde? Keine Ahnung. Aber es war faszinierend und ein kleiner Teil in mir giert schon danach einen anderen Wanderweg Nepals auszuprobieren. Davon gibt es hier unendlich viele. Ich vermute, ich werde irgendwann im Leben wiederkommen und den Poon Hill Trek machen oder vielleicht auch das Annapurna Base Camp. Und mit den Treks rund um den Himalaya habe ich mich noch garnicht beschäftigt. Da gibt es bestimmt auch noch spannende Sachen!

Aber erstmal war es genug für mich und meine Beine. Unterwegs habe ich mir natürlich bei der Kälte eine Erkältung eingefangen, die Füße wund gelaufen und nach dem Pass auch Muskelkater in den Beinen. Deswegen geht’s die nächsten Tage erstmal weiter bergab Richtung wärmeres Wetter und anschließend nach China.

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