Über Nachtzugfahren und Chinesen ohne Staatsbürgerschaft  

Auf gut Glück bin ich nachmittags von Emei aus zum Bahnhof gefahren und habe noch eines der drei letzten Tickets für einen „Hard Sleeper“ bekommen für den Zug um 17.15 Uhr. 

So hatte ich noch eine Stunde Zeit außerhalb des Bahnhofs zu essen. Die Bedienung verstand so gut wie kein Englisch und ein Menü gab es auch nicht. Manchmal ist es echt zum verzweifeln, dass man hier mit kaum jemandem ein komplettes Gespräch führen kann! Die verstehen kein Wort Englisch, ich kein Chinesisch.. Aber immerhin hat sie am Ende verstanden, dass ich nur Gemüse und Reis wollte und so bekam ich einen Teller mit irgendeinem grünen Gemüse, dessen Namen ich nicht kenne aber schon zigfach überall in Asien gegessen habe, und eine Schüssel Reis :) Klingt für euch vielleicht langweilig aber ist tatsächlich sehr lecker!

Chinas Bahnhöfe & Chinesen ohne Staatsbürgerschaft 

In China kommt übrigens nur derjenige in die Bahnhofshalle, der auch ein Zugticket besitzt. Um Zugtickets buchen zu können, muss man den Pass vorzeigen. Hintergrund hierfür ist, dass Ausländer sowieso bei jeder Übernachtung und Fortbewegung, auch z.B. in Bussen, registriert werden.

Aber auch Chinesen müssen ihren Ausweis vorweisen, weil es tatsächlich Menschen gibt, die in China geboren wurden, aber niemals als Bürger registriert werden, weil sie z.B. das zweite Kind waren, während die Geburtenkontrolle galt oder weil die Mutter nicht verheiratet ist, wenn das Kind geboren wird. In beiden Fällen kann das Kind nicht ins Stammbuch eingetragen werden und erhält daher auch keinen Personalausweis. Ohne Personalausweis gibt’s keine Schulbildung, keine Ausreise aus dem Land, sehr begrenzte Reisemöglichkeiten im Land, keine staatlichen Leistungen, kein Bankkonto, etc… Ist das nicht krass?!  Unvorstellbar für mich..

Am Bahnhof 

Nach meinem Abendessen eilte ich zurück zum Bahnhof, wo um 17.15 Uhr mein Zug nach Kunming fahren sollte. Ich passierte die Pass- und Ticketkontrolle und den Gepäck- und Körperscan – ähnlich wie an Flughäfen, aber weniger strikt.

Der Zugang zu den Gleisen ist durch 5 Tore gesperrt, die nur geöffnet werden, kurz bevor der Zug einfährt und auch hier steht nochmal jeweils ein Mitarbeiter, der sich die Tickets zeigen lässt.

Ich reihte mich ein, erkundigte mich bei dem Pärchen vor mir, ob das mein Zug wäre und sie nickten. Englisch war auch hier so gut wie nicht vorhanden. Aber sie hatten immerhin Tickets für den selben Zug. Allerdings schickte der Ticketkontrolleur sie weg, mich ebenso mit dem Kommentar „Two, two“. Aha 2 also?! Sollte das heißen, beim nächsten Türenöffnen? Ich hatte keine Ahnung und er hatte damit bereits die Grenzen seines Englisch erreicht. Egal. Ich setzte mich auf die Wartebänke, sodass ich Anzeige und Pärchen sehen konnte und wartete. Nichts passierte. Die Tore wurden nicht wieder geöffnet. 20 Minuten später, als der Zug eigentlich längst hätte abfahren sollen, beschloss ich das Pärchen zu fragen. Sie konnten wenigstens ein paar Worte und ich erfuhr, dass es sich um 2 Stunden handelte. Also 2 Stunden Verspätung. Also war der Zug an der Anzeigetafel mit der selben Zugnummer um 19.15 Uhr meiner!

Ich wartete und wartete. Es gab nämlich einfach garnichts in dieser Halle. Kein Essen zu kaufen, kein Wifi,… Und die Abfahrtszeit verschob sich mehrfach nach hinten.

Um 21 Uhr war es dann endlich so weit und die Tore öffneten sich und der Zug fuhr ein. Ich ließ mir von einem Angestellten zeigen, wo ich hin muss, um möglichst zügig mein Bett zu finden.

Die Ticketkategorien

Bei Ticketbuchung gibt es drei Kategorien zur Auswahl:

  • Hard Seat
  • Hard Sleeper
  • Soft Sleeper

Hard Seat

Beim Hard Seat handelt es sich um einen Sitzplatz, der bei Nachtfahrten natürlich nicht so bequem ist.

Hard Sleeper 

Die Hard Sleeper sind verteilt über einen Wagon, wobei immer drei Betten wie Etagenbetten übereinander sind und 6 in einem offenen Abteil. Das Gepäck wird über dem Gang in der Gepäckablage verstaut. Durch meine kurzfristige Buchung hatte ich keine Auswahl mehr und bekam ein oberstes, das aber auch günstiger ist als die unteren. Nachteil an dem obersten ist, dass es so nah an der Decke ist, dass man nicht aufrecht sitzen kann. Also liegen ist die einzige Option. Einzelne Klappsitzplätze gibt es im Gang, die man nutzen kann.

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Vorteil an dem oberen Betten ist, dass keine fremden Leute auf deinem Bett sitzen, was bei den untersten der Fall ist.

Die Matratze ist hart, wie der Name schon sagt, aber durchaus akzeptabel. Ich habe mich direkt schlafen gelegt – allerdings mit Ohrenstöpseln und Augencover – und konnte gut schlafen, bis morgens um 7 Uhr wieder die chinesische Musik angemacht wurde. Nachts wurde sie zum Glück abgestellt und auch das Licht ausgeschaltet.

Soft Sleeper

Die Soft Sleeper sind 4 weiche Betten, die in einem geschlossenen Abteil liegen. Wer also mehr Ruhe und Bequemlichkeit haben möchte, sollte diese wählen.

Der Preis

Ich habe für mein oberstes Bett im Hard Sleeper 29€ bezahlt, für eine 16 Stunden Fahrt. Der Soft Sleeper hätte auf selber Strecke in etwa 50€ gekostet. Also für deutsche Verhältnisse alles super günstig.

Frühstück

In Abständen kommt jemand mit einem Wägelchen vorbei und verkauft Snacks, Obst, Gemüse, Die beliebten Instant-Suppen und Getränke. Viele Chinesen bringen sich die Suppen selber mit und gießen sie mit heißem Wasser aus den Wasserspendern auf. Diese Spender haben übrigens in den Zügen (und häufig auch in allen öffentlichen Bereichen) immer nur heißes Wasser! Kochend heiß!

Ich verzichtete auf Fertigsuppe und kaufte mir Obst und wartete mal am Fenster sitzend, mal liegend auf die Einfahrt in Kunming. Insgesamt ging die Fahrt aber sehr schnell um und war super angenehm. Einzelne Chinesen versuchten, sich mit mir zu unterhalten – auf chinesisch. Dementsprechend erfolglos!

Gegen 13 Uhr – nach 16 Stunden – war ich endlich dort.

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