Das Ende meiner Asienreise 

Knapp 7,5 Monate oder genauer gesagt 224 Tage bin ich jetzt unterwegs. Für mich ist es immer noch unfassbar. Die Zeit rennt wie sonst was! Ich habe so viel gesehen und erlebt und jeden einzelnen Tag genossen! 

Meine Asienreise

224 Tage in Asien, meistens bei über 30 Grad, am Strand, in Wäldern, in Großstädten…

Meine Reise begann in Thailand, wo ich 4 Wochen verbrachte, davon 10 Tage schweigend im Vipassana. Anschließend flog ich nach Myanmar und verbrachte auch dort 4 wunderbare Wochen. Ein armes, aber bezauberndes Land. Dann ging’s nach Kuala Lumpur, wo ich eine Woche hängen blieb, weil die Leute in meinem Hostel mega cool waren. Für Singapur blieben mir daher nur noch 4 Tage, die ein purer Luxus waren und zusammen mit Hongkong die teuersten meiner Reise.

Mitte Dezember traf ich meine Schwester in Jakarta und wir reisten dreieinhalb Wochen gemeinsam über Yogyakarta, Bali, die Gili Inseln bis nach Lombok. Sie flog von dort nach Hause, ich ein paar Tage später nach Ho Chi Minh. Einen ganzen Monat verbrachte ich im Vietnam. Reiste von Ho Chi Minh City bis Hoi An und kehrte zurück in den Süden nach Ho Chi Minh, weil es im Norden kalt und regnerisch war. Aber die Strecke Hoi An bis Hanoi steht definitiv auf meiner Bucketlist!

Ein paar Tage nach dem chinesischen Neujahrsfest musste ich im Februar das Land verlassen, weil mein Visum auslief. Ich buchte einen Nachtbus und fuhr nach Kambodscha. Und statt nur 2 bis 3 Wochen dort zu verbringen, nutzte ich die vollen 30 Tage meines Visums, weil es mir so gut gefiel. Mein absolutes Highlight hier: Sok San auf Koh Rong und Angkor Wat! Mit dem Bus ging es dann nach Bangkok, wo ich mein chinesisches Visum beantragte und anschließend nach Koh Tao fuhr, um einen Tauchschein zu machen. Ich liebte das Tauchen und hängte den Fortgeschrittenenkurs direkt hinten an. 9 Tauchgänge in 4 Tagen. Tauchen bei Nacht, ein Wracktauchgang und eine Cola trinken in 30 Metern Tiefe. Dinge die ich mir vorher garnicht zugetraut bzw. nicht für möglich gehalten hatte. Aber hey es war am Ende garnicht schwierig und auf jeden Fall ein Highlight meiner Reise!

Von Koh Tao ging’s per Nachtboot und Bus nach Kuala Lumpur, wo ich am Tag darauf im Flugzeug nach Kathmandu saß. Nepal. Ein Land, das ich wahrscheinlich niemals besucht hätte, hätte ich nicht diesen Holländer getroffen. Hier erfüllte ich mir den lang gehegten Wunsch einer Yogawoche im Ashram. Danach ging’s kurzentschlossen in die Berge. 10 Tage Wanderung auf dem Annapurna Circuit. Von ~800 Meter auf 5.416 Meter und wieder runter! Es hat mich extrem viel Kraft und Überwindung gekostet, aber ich habe es geschafft. Und ja, bergauflaufen ist trotzdem immer noch irgendwie Qual für mich und trotzdem tue ich es immer wieder freiwillig :D

Meine Grundschulfreundinnen waren der Grund, weshalb meine Reise nach den 4 Wochen Nepal nach China ging. Während meines 12 Stunden Aufenthalts in Guangzhou besuchte ich das dortige höchste Gebäude, den Canton Tower mit 600 Metern. Dann ging’s nach Chengdu, das ich aufgrund der Pandabären und der „Nähe“ zu Kunming, wo ich die Mädels 12 Tage später treffen würde, bereiste. Nach einer Woche Chengdu fuhr ich nach Emei und wanderte 2,5 Tage auf den Mount Emei. 16 Stunden Nachtzugfahrt brachten mich nach Kunming zu den Mädels. Zwei Wochen reisten wir über Dali, Lijiang, die Tigersprungschlucht, Shangri La, Lanping und Liuku durch die Provinz Yunnan. China war beeindruckend und irgendwie ganz anders, als das Bild das ich vorher so hatte. Wir hatten eine großartige Zeit zusammen und sie verging viel zu schnell!

Ich bin ein Großstadt-Fan und daher durfte Hongkong nicht fehlen. Meine letzte Station bevor es nach Australien geht. Eine unglaublich große Stadt. In keiner Großstadt habe ich mich so klein gefühlt und war so überwältigt und teilweise verloren, vor Eindrücken und dem riesen Meer aus Hochhäusern. Trotzdem finde ich mich jetzt nach 6 Tagen ziemlich gut zurecht und mag die Stadt.

Asien werde ich bestimmt bei Zeiten wiedersehen. Statt das meine Bucketlist kürzer wird, ist sie länger geworden und ich habe noch einiges vor, was diesen Kontinent angeht :)

Das Negative

Überraschender Weise habe ich kaum schlechtes zu erzählen über diese 7,5 Monate. Ich wurde nicht überfallen und ausgeraubt oder sonst irgendwie bedroht. Meine Negativerfahrungen beschränken sich auf den Motorradtaxifahrer im Vietnam, der mein Wechselgeld von knapp nem Euro eingesteckt hat; einem kambodschanischen Jungen, der im Vorbeigehen absichtlich meine rechte Pobacke begrabscht hat und 50 oder 60 USD, die mir in China aus dem abgeschlossenen Koffer geklaut wurden, während mein iPad und andere Währungen scheinbar uninteressant waren. Also halb so wild würde ich behaupten.

Krank war ich erstaunlich selten. Das schlimmste war noch in Yangon, wo ich mich am Straßenrand übergeben musste (hatte ich ja berichtet), aber auch da war ich einen Tag krank und die Tage drauf schwach. Ansonsten war bis auf die für Asien üblichen hin und wieder kurzzeitig auftretenden Durchfälle (Indonesien hat mir garnicht gut getan) zum Glück nichts dabei, was mich umgehauen hat. Und ich habe massenweise Street Food und so gegessen und immer Krahnwasser zum Zähneputzen verwendet.

Auf zum nächsten Kontinent 

Aber nun ist es an der Zeit Asien zu verlassen. Australien ruft! Ein vielseitiger, fantastischer Kontinent mit neuen Abenteuern. Ab morgen heißt es dann Steuernummer besorgen, Bankkonto eröffnen und Job suchen. Ein bisschen zurück zur Normalität. Wieder mal länger an einem Ort leben, einen Freundeskreis aufbauen, Geld verdienen (und sparen für die nächsten Reisen). Keine Ahnung, was ich arbeiten werde. Alles was sicher ist, ist, dass Sydney mein erstes Ziel ist. Der Rest wird sich ergeben.

Verfolgt eure Träume

Ich kann garnicht in Worte fassen, wie dankbar ich bin, dass ich diese Möglichkeit habe, einfach mal 7,5 Monate nicht zu arbeiten, einfach nur zu reisen und nach Lust und Laune hin und herzufahren, zu essen, zu trinken, zu erleben. Ich hatte vorher große Zweifel. Hab ich genug Geld? Kann ich mir das leisten? Werd ich hinterher zum Hippie? Haha ja, ja und nein! Alles gut! Klar in Europa wäre meine Reise wahrscheinlich deutlich kürzer ausgefallen, aber Asien ist ja zum Glück günstig, kann aber auch anstrengend werden. Kulturell und sprachlich bedingt.

Ich habe am Ende wesentlich mehr Geld ausgegeben (ich weiß nichtmals wieviel genau) und auch viel mehr Zeit hier verbracht, als ich jemals vorher in Erwägung gezogen habe. Aber genau so sollte das Leben sein! Wir müssen im Jetzt leben, und heute entscheiden, was wir heute oder morgen machen. Aber was nächste Woche oder in 3 Jahren ist, dafür muss man keinen Plan haben. Hätte ich meine Reise vorab geplant, wäre ich nach 3 Monaten in Australien gewesen. Aber so konnte ich spontan entscheiden ohne Zeitdruck. Ich habe keinen einzigen Tag bereut und schon garnicht, die Entscheidung getroffen zu haben, meinen Job zu kündigen. Es hat mich eine lange lange Zeit gequält – Jahre -,  diese Entscheidung zu treffen und vor allem zu entscheiden, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Aber am Ende war es klar, was in meiner Natur liegt und das ist nunmal das reisen und entdecken. Schon als Kind habe ich die ganze Nachbarschaft erkundet und bin immer weggelaufen. Habe Bücher gelesen und Orte im Atlas nachgeschlagen. Kein Witz. Amerika und Lateinamerika war meine große Faszination. Aber ein Jahr ohne Arbeit traute ich mir nicht zu und da das mit dem australischen Visum so einfach geht (bis zum 30. Lebensjahr), wurde es zum Hauptziel meiner Reise und Asien entwickelte sich so dazu, dadurch, dass ich Tauchen, Vipassana Meditation und Yoga lernen wollte. Und trotz dass ich mir all diese Wünsche erfüllt habe, bin ich nicht pleite, ok – geldlich gesehen zwar ärmer, dafür aber reicher an Erfahrungen, Erlebnissen und Lebensfreude!

Deshalb mein Rat an euch, was auch immer euer Traum ist – mag es euch noch so absurd vorkommen – verfolgt es. Es ist meistens garnicht so unmöglich, wie wir meinen! Wir werden einfach in einer Gesellschaft groß, in der Schule, Ausbildung/Studium, Beruf, Haus und Kinder unser vorausgeplanter Lebenslauf ist. Wo es normal ist, das Vernünftigste zu machen, auf Nummer sicher zu gehen. Das mag einen Großteil ja auch super glücklich machen. Aber nunmal nicht jeden. Also traut euch einfach. Was kann schon schlimmes passieren? Geld ist am Ende nur Papier. Und nach so langer Zeit in Asien, wo der Durchschnittsbürger sich niemals so einen Luxus leisten könnte, wie wir Europäer, Amerikaner, Australier, uä. kann ich euch mit Sicherheit sagen, dass uns wirklich alles offen steht! Wir haben unbegrenzte Möglichkeiten, dessen wir uns im Alltag überhaupt nicht bewusst sind! Also was auch immer euch vorschwebt, verfolgt es. Ich sage nicht, dass es einfach wird. Schwierigere Zeiten gibt es immer, aber das gehört dazu! Auch ich habe endlos in zwei Jobs gearbeitet in Deutschland bevor ich los bin, um möglichst viel zu sparen. Ich hatte kaum Freizeit, aber das war es wert!

11 Gedanken zu “Das Ende meiner Asienreise 

  1. butterflytravelsblog schreibt:

    Wow wirklich beeindruckend, was du alles erlebt hast! Wie lange hast du denn auf diese Reise gespart? Bzw. hast du nebenbei Geld verdient?
    Ich schreibe in einem Monat meine Bachelorarbeit und danach mache ich mich auch auf in die weite Welt :D
    Daher freue ich mich immer, wenn ich so inspirierende Beiträge wie deinen lesen kann!
    Vielen Dank fürs Teilen und liebe Grüße,
    Sammy

    Gefällt 1 Person

    • kompasskind schreibt:

      Hey Sammy!
      Danke :) Aktiv gespart habe ich nur ein halbes Jahr – zwischen Entscheidung getroffen und Abflug. Aber ein paar Ersparnisse hatte ich bereits und während ich unterwegs bin, habe ich einen Untermieter. Ich habe aber auch viele Reisende getroffen, die auf ihrer Reise in Hostels oder Bars gearbeitet haben. In den touristischen Gegenden ist das meist recht einfach möglich.
      Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Bachelorarbeit und bin sicher du wirst danach sehr viel Spaß auf Reisen haben!
      Liebe Grüße
      Lily

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  2. Paul Wälbers schreibt:

    Hallo Liane,
    mir bleibt nur dir äüssersten Respekt zu zollen. Diese Strapazen bei der Wanderung in Nepal, soviel Unvorhersehbares, und das alles ohne größere gesundheitliche Einschränkungen.
    WAHNSINN!
    Du bist echt der Hammer.
    Viel Glück auf deiner weiteren Tour jetzt in Australien, gute Menschen, gute Jobs, gute Erfahrungen. Ich freue mich für dich, dass du diese Entscheidung getroffen hast.

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    • kompasskind schreibt:

      Hallo Paul,
      danke vielmals! Ich habe in letzter Zeit tatsächlich mehrfach meinen Office-Job zu Hause vermisst! Ein Neuanfang ist eben auch immer ein wenig schwierig. Trotzdem geniesse ich es sehr hier in Sydney zu sein :)
      Ganz liebe Grüße auch an alle Kolleginnen und Kollegen!
      Liane

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  3. Corbigram schreibt:

    Sehr geil! Du hast es genauso gemacht wie ich vor 2 Jahren :) Bin damals für 270 Tage um die Welt und hab aber seit dem gar nicht mehr aufgehört zu reisen. Derzeit in Malta und Ende des Jahres hoffentlich auch für die selbe Zeit nach Südostasien :)

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  4. Stefan Schulte-Derne schreibt:

    Hallo Lilly,
    ich verfolge Deine Reise ja nun schon von Anfang an. An deinem Fazit der Reise durch Asien hat mich am meisten der letzte Abschnitt beeindruckt.
    Träume…..Du hättest es nicht besser ausdrücken können. Wir alle sollten den Mut haben unsere Träume zu verfolgen. Es muss nicht immer gleich die Weltreise sein. Selbst wenn es nur ein kleiner Teil eines Traumes ist. Es lohnt sich immer.

    Viel Spaß in Australien,

    liebe Grüße, Stefan

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  5. Kathrin Dumpe schreibt:

    Hallo Liane,

    schön zu lesen, dass es dir gut geht und du die Entscheidung, den Job hier gekündigt zu haben, nicht bereust :) Ich bin manchmal schon ein wenig neidisch; vor allem, wenn hier wieder alle nerven ;)
    Viel Spaß in Australien. Lass es dir gut gehen!
    Lieben Gruß, Kathrin

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    • kompasskind schreibt:

      Hey Kathrin!
      Ich hoffe dir geht es ebenfalls gut! Habe gesehen, du ziehst wieder um :) Ich bin super neugierig, was es da so Neues gibt!
      Trotz aller schönen Momente und Erfahrungen und vor allem Fotos, gibt es auch immer wieder kleine Nachteile ;) aber trotzdem kann ich mich im Grossen und Ganzen nicht beschweren :)
      Freu mich schon, mal zu Besuch im Büro vorbeizukommen, wenn ich wieder in Deutschland bin!
      Liebe Grüße aus Sydney
      Liane

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