China

Es ist zwar jetzt eine Weile her, dass ich China verlassen habe, aber ich möchte euch trotzdem noch darüber erzählen. China war nämlich überraschend und irgendwie auch super anstrengend!

Wo war ich?

Ich flog von Kathmandu, Nepal über Guangzhou nach Chengdu. Meinen ersten Tag in China verbrachte ich in Guangzhou, da ich dort 12 Stunden Zwischenstopp hatte. Danach ging es für eine Woche nach Chengdu, in die Provinz Sichuan. Von dort bin ich per Bus nach Le Shan und zum Mount Emei gefahren. Per Nachtzug ging es anschliessend nach Kunming, Provinz Yunnan, wo ich auf meine Freundinnen traf. Gemeinsam reisten wir nach Dali, Lijiang, zur Tigersprungschlucht, Shangri-La, Lanping und Liuku. Ich habe also nicht die typischen Städte wie Shanghai, Peking gesehen, sondern war überwiegend in kleineren, unbekannteren Städten unterwegs.

Kein Englisch!

Es ist tatsächlich so, dass die Chinesen kein Englisch sprechen. Klar, es gibt welche, auf die es nicht zu trifft, aber die Mehrheit kann kein Wort! Das zieht sich durch alle Bereiche! Selbst in Hostels und Hotels ist Englisch Mangelware! Die Mitarbeiter können mehr oder weniger die wichtigsten Dinge, aber richtig Konversation zu führen ist (meist) unmöglich. Und als ich mich nach dem Wäsche waschen, nach „Laundry“ erkundigt habe, dauerte es 10 Minuten bis sie 1. verstanden, was ich wollte und 2. eine englische Antwort darauf hatten!

In Restaurants kann man Englisch noch weniger erwarten. Und ein Menü auf Englisch? Haha existiert nicht. Nur einmal bin ich auf eine Bäckerei gestossen, die gleichzeitig ein kleines Cafe war. Über dem Tresen hing das Getränkeangebot, das sogar Englisch untertitelt war. Ich freute mich, dass ich endlich mal was lesen konnte und bestellte. Zu früh gefreut. Die Mitarbeiter hatten keinerlei Ahnung, wovon ich sprach. Man holte sich einen Stock zu Hilfe und ging alle 3 Tafeln durch, bis sie auf das zeigte, was ich haben wollte. Soweit so gut. Ich bekam was ich wollte. Hinterher erkundigte ich mich nach den Toiletten und wieder waren die Mitarbeiter überfordert. Aber die Chinesen stört es auch nicht wirklich. Sie antworten ggf. auf Chinesisch – wenn überhaupt – und wenden sich ab. Aber ich hatte Glück und in dem Cafe am Tisch neben mir sass ein junges Mädchen, die etwas Englisch konnte und mir weiterhalf.

Kein Land hat mich bisher so zur Verzweiflung gebracht wie China! Wenn man keine anderen Reisenden trifft, was selten war in den Provinzen, in denen ich unterwegs war, dann findet man keinen mit dem man sich unterhalten kann! Ok, eine Ausnahme war eine junge Chinesin, die ich im Hostel getroffen habe und mit der man sich nicht super schnell aber immerhin unterhalten konnte, aber sonst wirklich wirklich schwierig!

Aber trotzdem habe ich es immer geschafft dorthin zukommen, wo ich hinwollte. Manchmal war es Glücksache, manchmal Zeichensprache, manchmal jemand, der wenigstens 3 Worte Englisch konnte. Und GPS hat mich meistens gerettet. Damit konnte ich wenigstens sehen, wo ich mich befand, wo ich am besten aus dem Bus aussteige und wie ich wieder zum Hostel finde.

Heisses Wasser und Grüner Tee

Chinesen lieben Tee über alles und in jedem Restaurant bekommt man grünen Tee, meistens umsonst, manchmal zum kleinen Preis. Was in Deutschland auch eher unüblich ist (würde ich behaupten): heisses Wasser zu trinken. Chinesen lieben heisses Wasser! Das kann ich aus meiner Cafe-Erfahrung momentan in Sydney nur bestätigen: Chinesen bestellen zu Kaffee oder was auch immer sie trinken gerne heisses Wasser dazu. Und auch ich habe mittlerweile diese Angewohnheit, wenn mir kalt ist, heisses Wasser zu trinken.

Instant-Nudelsuppen

Ebenfalls ein heissbegehrtes Produkt der Chinesen sind die Instant-Nudelsuppen. Es gibt sie in zig Geschmacksrichtungen und Größen. Ich habe keine einzige probiert, aber sie überall massenweise gesehen. In öffentlichen Bereichen gibt es immer kochendes Wasser an entsprechenden Zapfstellen, dass zum Essen und Trinken geeignet ist. Somit sind Instant-Suppen auch ein „guter“ Snack für unterwegs. Und heisses Wasser ist zum Trinken und für Tee sowieso unabkömmlich.

Die „Great Firewall“

Ich verbrachte also meinen ersten Tag in China in Guangzhou. Wenn ich mich ins WLAN einwählte, hatte ich zwar eine Verbindung, aber meine Apps die ich am meisten verwende, aktualisierten nicht. Ich erhielt zwar Mitteilungen über Likes meiner Instagram Bilder und Facebook-Neuigkeiten, aber wenn ich die App öffnete tat sich nichts. Klar, natürlich nicht, weil China alles mögliche blockiert hat! Das ist zum Beispiel Facebook, Instagram, Snapchat, Google,… Ja nichtmal googeln konnte ich!! Und was macht man, wenn Google nicht funktioniert?! Hm.. Yahoo?! Auch das war beschränkt, weil ich mit meinem deutschen Handy automatisch auf die deutschen Seiten geleitet wurde. Ein echtes Problem für mich als Kind dieser Google und Handy Generation. Es machte mich wahnsinnig! Mein Handy war quasi nutzlos! Und das ganze zwei Tage lang! Whats App übrigens funktioniert! Und es war am Ende meine Schwester die mir die Lösung aufzeigte: VPN.

VPN

VPN steht für „Virtual Private Network“. Man wählt sich auf ausländischen Servern ein und umgeht so die „Great Firewall“. Klingt gut. Funktioniert auch. Macht das Internet aber noch langsamer als ohnehin schon. Oder wenn das WLAN ganz schlecht ist, bekommt man nichtmal ein VPN-Verbindung hin. Mit VPN konnte ich mein Handy dann aber wie gewohnt verwenden.

Eine andere Möglichkeit, wie ich von einem aus Hongkong nach China eingereisten Deutschen erfuhr, ist es, eine Hongkonger Sim-Karte zu verwenden. Hongkong gehört nicht zu China, hat daher freies Internet, gehört aber irgendwie doch zu China, dass man zu in China üblichen Preisen die Hongkonger Sim benutzen kann.

Chinesische, öffentliche Toiletten 

China gewinnt definitiv den Preis der ekelhaftesten, stinkendsten und merkwürdigsten Toiletten überhaupt! Ich dachte ich sehe nicht richtig, als ich das erste Mal öffentliche Toiletten betrat! Öffentliche Toiletten haben bei uns immer Türen und sind abschliessbar. Nicht so in China! Es sei denn man hat grosses Glück. Aber Toiletten in öffentlichen Gebäuden und Bahnhöfen sind entweder vorne offen, haben bestenfalls hohe Wände, können aber auch halbhohe haben oder auch gar keine! Ja keine Wände! Im Boden ist meistens eine oder mehrere lange Rillen, über die sich die Leute dann hocken können. Die Spülung ist manchmal pro „Abteil“ bei (halb-)hohen Wänden, manchmal automatisch in Abständen, da mit einer Wasserladung die komplette Rille gespült wird. Wenn nicht häufig genug gespült wird, wird’s echt ekelhaft!!

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Chinesische Toilette

Aber zurück zu der nicht vorhandenen Privatsphäre. Während man also auf Toilette ist, laufen die anderen Frauen vorbei zur freien Toilette. Oder wenn sich die Toiletten auf beiden Seiten des Raumes befinden und es keine Rille sondern einzelne Hocktoiletten (Hocktoiletten sind sie übrigens immer) gibt, dann sitzt man sich quasi gegenüber!

Oder die beste aller gesehenen Toiletten war auf einer Busfahrt zwischen Lanping und Liuku bei einem Toilettenstopp mitten in der Pampa, in den Bergen. Es war ein kleiner Raum mit Rille, die im schlimmsten Fall 3 Leute gefasst hätte, ohne Wände, ohne alles. Zum Glück war kein Andrang und ich konnte sie alleine nutzen (und musste dann rennen, weil der Busfahrer schon weiterfahren wollte), aber die Vorstellung, dass wenn der halbe Bus muss und die Chinesinnen sich zu dritt dorthin hocken und mindestens 2 den Hintern der anderen vor der Nase haben…!? Ich dacht, ich werd nicht mehr! Aber hey in China ist das voll normal und es interessiert scheinbar keinen wirklich.

Keine Ahnung, wie Männer das empfinden. Vielleicht kommt es ihnen garnicht so merkwürdig vor, da sie mit den Pissoirs Privatsphäre weniger gewohnt sind, aber ich fand es doch extrem merkwürdig!!

Ach so und für Toilettenpapier gilt: bring your own!

In China habe ich übrigens auch zum ersten Mal im Leben Plumpsklos gesehen.

Tomaten sind Obst

Noch so eine Sonderheit in China: Tomaten sind nach chinesischem Verständnis kein Gemüse sondern Obst! Bestellt man zum Beispiel einen Obstsalat, hat man sehr wahrscheinlich auch Tomaten dabei.

Was es auch gibt: Obst-Pizza! Einfach eine Art rundes, dünnes Fladenbrot, dass mit Obst belegt wird (hier hatte ich zum Glück keine Tomaten dabei) und mit Honig garniert wird. War nicht so sehr meins.

Was kostet China?

Unterkünfte in China sind super günstig. Für Hostels habe ich meistens umgerechnet 5 Euro bezahlt. Nur auf dem Mount Emei waren es mal überteuerte 10 Euro. Hotelzimmer kosten natürlich etwas mehr, sind aber für deutsche Verhältnisse sehr günstig. In Großstädten eher nochmal etwas teurer.

Essen in den chinesischen Restaurants kann man ab 1 Euro (meistens Nudelsuppen). Wir, meine zwei deutschen Freundinnen und ich, haben uns meistens Gemüse, Tofu (oder wahlweise auch Fleisch) ausgesucht, dass frisch zubereitet wurde und etwa 2 Euro pro Person gezahlt. Westliche Küche ist – wenn vorhanden – bestimmt mindestens doppelt so teuer. Jaozi – gefüllte Teigtaschen – gab es häufig und sind wie auch in Nepal (als Momos bekannt) eines meiner Lieblingsgerichte. Baozi – Hefeklöße – entweder mit oder ohne Füllung gibt es an jeder Strassenecke.

Transport ist ebenfalls total bezahlbar. Innerstädtische Busse kosten 1-2 Yuan (= bis zu 30 Cent), mein 16-stündiger Nachtzug in 2. Klasse hat mich 30 Euro gekostet. Fliegen innerhalb Chinas ist allerdings etwas teurer, als ich aus Asien gewohnt war. Wer direkt aus Deutschland hinkommt, wird es eventuell trotzdem als günstig empfinden.

Eintritte kamen mir allerdings überteuert vor. Für jeden Krams musste man bezahlen und wollte man nur zu Fuss den nächsten Berg hochlaufen! Je nach Ort und „Sehenswürdigkeit“ kann das 5 bis 20 Euro kosten.

Mein Durchschnitt für China liegt bei etwa 29 Euro pro Tag, die Visumkosten von ca. 42 Euro mit einberechnet. Hin- und Rückflüge nicht enthalten.

Fazit

China war fantastisch, trotz aller Schwierigkeiten! Eine spannende Erfahrung! Ich wünschte, ich könnte chinesisch, dann wäre alles einfacher, aber einen Durchblick zu bekommen bei dieser endlosen Menge Schriftzeichen?! Puuh..

China war viel schöner als ich erwartet hatte. Das Bild was ich durch deutsche Medien hatte, war garnicht zutreffend. es ist landschaftlich unglaublich schön und vielseitig. Es ist garnicht so schmutzig, aber wahrscheinlich ist kaum eine Stadt schmutziger als Kathmandu, wo ich gerade herkam. Ich war überrascht, dass in einigen größeren Städten motorisierte Roller verboten sind! Hier sind nur Elektro-Roller erlaubt, was wesentlich angenehmer ist für die Luft und den Lärmpegel!

Besonders beeindruckt hat mich Shangri-La. Es ist sehr tibetisch geprägt und ganz speziell. Tibet ist definitiv ein Ziel meiner Bucket-List geworden!

Dafür, dass China mich nie wirklich interessiert hat, bin ich jetzt sicher, dass ich auf jeden Fall nochmal hin und eine Menge schöner Berge und Landschaften erkunden möchte.

Wart ihr bereits in China? Wie fandet ihr es? Habt ihr Tipps? Erzählt mir gerne von euren Erfahrungen!

 

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