Mein Leben früher und heute – was hat sich verändert?

Mittlerweile bin ich seit 482 Tagen auf Reisen, in 11 Ländern unterwegs gewesen, unendlich viel gesehen und erlebt und das Reisen ist quasi mein Alltag geworden. Und nein, es ist noch nicht langweilig geworden. Wie hat sich also mein Leben heute zu damals verändert? 

Meine Wohnsituation 

Damals in Deutschland hatte ich bereits 6 Jahre meine eigene Wohnung gehabt, zunächst nur 30qm später 50qm. Komplett für mich alleine. Genauso eingerichtet und frisch renoviert, wie ich es haben wollte: hell, gradlinig und ordentlich. Ich hatte sämtlichen Luxus, wie den riesigen 3D Fernseher, AppleTV und Videodienste, eine hübsche kleine vollausgestattete Küche, großen Kleiderschrank und wer weiß was noch in super Lage einer hübschen deutschen Stadt. Und vor 3 Jahren habe ich es mir nicht anders vorstellen können. Ein WG-Leben kam für mich garnicht in Frage.

Seitdem ich reise lebe ich fast ausschließlich in Hostels mit mindestens 4-Bettzimmern, meist eher 6-8 oder den ganz extremen mit 30 Betten in Hongkong. Ja, es war gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile ist es mein Alltag und ich kann echt gut schlafen (es sei denn Betrunkene machen richtig Radau und Ohrstöpsel parat zu haben ist immer sinnvoll!). Der große Vorteil ist, man findet als Alleinreisende auch gleichzeitig immer Freunde und Weggefährten. Und selbst in Sydney ist das Wohnen ja so überteuert, dass ich lieber in Shared flats mit Shared Rooms gelebt habe. Also mein Zimmer mit 2 bis 3 anderen Mädels geteilt hatte, was mir übrigens in Australien wesentlich besser gefallen hat als das Hostelleben und in Sydney auch günstiger war als das Hostel.

Arbeit

Früher bin ich 5 Tage die Woche ins Büro gependelt, sodass 8-10 Stunden meiner Woche reine Fahrtzeit waren zusätzlich zu den 40 Stunden Arbeitszeit. Nach der Arbeit habe ich das letzte Jahr zusätzlich gekellnert. Manchmal 10 Stunden die Woche, manchmal 25. Je nach Bedarf und Lust und Laune. Einfach nur darum, weil es mir mehr Spaß gemacht hat als im Büro zu sitzen und weil es zusätzliches Budget für meine reisen nach Costa Rica, Miami, Kanada und dann meine Asien- und Australienpläne war.

Meine Jobs im letzten Jahr in Australien waren alle in der Gastronomie und alle trotzdem sehr unterschiedlich. Definitiv viel mehr mein Ding, als im Büro zu sitzen. Körperlich anstrengend und herausfordernd und man merkt am Ende des Tages, was man getan hat. Und wer meint Kellnern sei eintönig für den Kopf. Falsch gedacht. Es sind so viele Dinge die man sich merken muss, Bestellungen, Wünsche, rechnen und keiner kann einem voraussagen, welche Herausforderungen und Extrawünsche einem im Laufe des Tages begegnen. Dazu die unterschiedlichsten Menschen und Nationalitäten. Flexible Arbeitszeiten und gute Stundenlöhne waren die positiven Nebeneffekte in Australien.

Freizeit

Früher war ich im Fitnessstudio (Kurse wie Yoga und Zumba), mal mehr mal weniger regelmäßig. Hab viele viele Stunden mit Serien gucken verbracht. Mich mit Freunden getroffen, shoppen gegangen und kam eigentlich selten auf die 10.000 Schritte pro Tag.

Heute gehe ich möglichst viel zu Fuß und alleine beim kellnern und den 6-12 Stunden pro Tag erledige ich jede Menge Schritte. In meiner Freizeit laufe ich durch die Städte, durch Parks, durch Wälder, in den Bergen oder wo auch immer. Kraxle über Stock und Stein, wate durch Flüsse und Pfützen. Ich mache freiwillig Wanderungen (und wundere mich währenddessen jedes Mal warum schon wieder :D ) und habe in meinem ganzen Leben noch nie so häufig die 10.000 Schritte erreicht bzw. weit überschritten, wie jetzt in den letzten 15 Monaten. Dazu kommen andere Aktivitäten, wie ab und zu Laufen gehen, Schwimmen, Rad fahren, Kayaking, Schnorcheln, Tauchen, Yoga,… Mein Alltag ist definitiv gesunder geworden. Ich gucke eigentlich nie Fernsehen und vermisse es auch überhaupt nicht. Erstens habe ich meistens keinen und zweitens empfinde ich es mittlerweile als große Zeitverschwendung. Und wenn ich irgendetwas gucken möchte, dann gucke ich es mir gezielt an. Kein rumzappen und dies und das. Meine neuen Hobbies sind so Dinge wie Sonnenuntergänge und -aufgänge ansehen, Wasserfälle und Nationalparks besuchen, Leuchttürme und Küsten ansehen, Strände, Seen, Wälder erkunden. In Cafés abhängen, Essen gehen und endlos viele Gespräche führen, Leute kennenlernen. Und mein wohl größtes Hobby: jeden Scheiß zu fotografieren :D Und vieles bei Instagram zu posten. Achso und nicht zu vergessen als neues Hobby: mein gelegentliches Bloggen.

Mein Leben hat sich um 180 Grad und auf jeden Fall zum gesünderen und positiven gewandelt. Es ist nicht immer einfach, vor allem so alleine unterwegs zu sein und andauernd diese Ungewissheit zu haben, aber am Ende macht es mich glücklicher, als damals die Gewissheit, dass ich mein Leben lang in dem gleichen Büro hätte arbeiten können. Das ist meine Geschichte. Und jeder muss für sich selbst herausfinden, was das richtige für ihn oder sie ist. Denn am Ende ist das Leben doch kurz und man hat nur dieses eine.

6 Gedanken zu “Mein Leben früher und heute – was hat sich verändert?

  1. johanna.vol schreibt:

    Das hört sich toll an! Das würde ich auch so gerne machen, aber ich komm mit dem Gedanken nicht klar, meine Freunde und ganz besonders meine Familie daheim zu lassen… Wie geht’s dir damit?

    Gefällt 1 Person

    • kompasskind schreibt:

      Hi Johanna,
      ja das ist nicht immer einfach und natürlich vermisse ich sie auch. Aber mein Freundeskreis ist in Deutschland bzw. mittlerweile weltweit verstreut, sodass ich viele nicht regelmäßig sehen konnte, was es wahrscheinlich einfacher für mich macht jetzt auch so weit entfernt zu sein. Ausserdem lernt man überall super schnell neue Leute kennen und gewinnt viele neue Freunde dazu. Wenn auch die meisten oberflächliche Bekannte bleiben, werden manche doch richtig gute Freunde und man trifft sich an den verschiedensten Orten wieder.
      Liebe Grüße
      L

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    • kompasskind schreibt:

      Hi Pauline,

      Ja mein Leben ist definitiv traumhaft seit ich reise, aber reisen ist auch häufig anstrengend und unbequem, was oft vergessen wird. Und vom Reisen leben kann man nicht (oder zumindest in den wenigsten Fällen). Also muss man doch irgendwelche Jobs machen und die Jobsuche im Ausland ist leider auch kein Zuckerschlecken. Aber dafür sieht man eben jede Menge, trifft unendlich viele Leute und erlebt so einiges :D
      Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und dass du dir den Traum ebenfalls erfüllen kannst.

      Viele Grüße aus Sydney
      L

      Gefällt 1 Person

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