Bondi Bubble und die etwas unschöne Seite des Traveler-Lebens

Für etwa einen Monat hatte ich in 2 Jobs gearbeitet, war aber trotzdem nicht Vollzeit beschäftigt und auch nicht wirklich glücklich in keinem der beiden Jobs. Und als mein einer Manager dann meinte, er könne mich nur am Wochenende einsetzen (weil die Australier in der Woche arbeiten wollten), ob ich mir nicht nen anderen Job für in der Woche suchen wolle, dachte ich, ich werd nicht mehr. 

Es nimmt einfach keine Ende mit dem Theater. Als Backpacker hat man zu häufig die Arschkarte. Mein erster Gedanke war „nee auf gar kein Fall noch ein dritter Job“. Zwei Jobs zu koordinieren ist schon echt nervig. Aber irgendwie beschloss ich dann doch mal bei Gumtree zu gucken, welche Jobs vorhanden sind. Am Ende versendete ich zwei Resumes und erhielt paar Tage später einen Anruf, wurde zum Probearbeiten eingeladen und hatte einen Vollzeit Job. Vollzeit ist relativ, denn in Australien wird in der Gastronomie meistens „casual“ eingestellt. Das heißt, es gibt keinen Anspruch auf Arbeit/Stunden und man kann jederzeit einfach aufhören/entlassen werden. Aber soweit so gut. Endlich arbeite ich 40-45 Stunden die Woche und dann gab’s Theater in dem Shared Flat, wo ich seit August wohnte.

Die Geschichte mit dem Mietvertrag 

Schon als ich dort eingezogen bin hieß es der Mietvertrag endet am 17. Oktober 2017. 3 von 8 Leuten in der Wohnung müssen den neuen Vertrag unterschreiben, aber die Spanier, die zuletzt unterschrieben hatten, verlassen das Land im November, also bräuchten wir neue Leute. Der Mexikaner erklärte sich bereit, ebenso die Spanierin, aber alle anderen wollten nicht, denn 6 Leute verlassen das Land im Zeitraum November bis Januar. Also entschied ich ebenfalls zu unterschreiben, aber es war unmöglich einen Termin zu finden zu dem wir alle 3 gleichzeitig Zeit hatten. Dann entschied die Spanierin sich um und der Marokkaner, als einer der wenigen bleibenden, sah sich gezwungen zu unterschreiben. Und am Ende hatten wir einen Termin am 16. Oktober 2017! Einen Tag vor Vertragsende! Das ist definitiv lateinamerikanisches Terminmanagement, denn ich hätte mich längst darum gekümmert.

3 Tage vorher kam dann allerdings eine „Final Warning“ Mitteilung wegen Lärmbelästigung. Die Nachbarn hatten sich mehrfach im vergangenen Jahr beschwert, denn 4 Wohnungen a 8 Leute, davon mehr als die Hälfte spanisch sprechend, ist laut!

Die Mitteilung war kurz und knapp und besagt eigentlich nur, dass wenn wir nochmal laut sind, können sie uns ohne weiteres aus dem Haus schmeißen. Das war mir dann zu viel. Ich beschloss, nicht zu unterschreiben. Immerhin müssen wir jeder fast 900$ Kaution hinlegen und dann mit dem Risiko morgen rausgeschmissen zu werden weil jemand von 32 Leuten in dem Haus Lärm macht.

Ende vom Lied ist ich habe keine Wohnung mehr. Ich hatte ja nur immer andere vertreten, die in Asien im Urlaub waren und hätte mit der Vertragsunterschrift mein Bett bekommen, aber so jetzt eben doch nicht. Dazu kommt, dass einer der Spanier, der quasi an meiner Stelle unterschrieben hat, mega sauer auf mich ist und mich verständlicher Weise dort nicht mehr sehen will (obwohl er jetzt quasi eh nur noch ne Woche hat bis er zurück nach Spanien geht).

Wohnungssuche in Bondi 

Meine komplette freie Zeit geht also momentan drauf ein neues Zimmer zu finden. Mittlerweile – mit dem neuen Job – will ich mir ein privates Zimmer leisten, der Witz ist aber dass das jetzt im November zum Sommerbeginn echt schwierig wird, denn im Sommer wollen alle hier beim Beach wohnen. Dazu kommen dann noch die ganzen Backpacker-Neuankömmlinge.

Zum anderen ist es super schwierig eine schöne, gepflegte Wohnung zu finden. Viele Häuser in Bondi sind alt und heruntergekommen. Keiner kümmert sich so richtig und irgendeinen dummen Backpacker findet man immer, der für viel Geld dort einzieht. 250$ die Woche zu zahlen für ein Zimmer, dass man sich mit jemand (fremdes) teilt, ist im Sommer total normal. Wobei man auch schon Einzelzimmer ab 300$ die Woche bekommen kann.

Nachdem ich also aus dem Haus gekickt wurde, bin ich ja sowieso erstmal 8 Tage in Cairns gewesen. Deswegen war das Timing garnicht so schlecht. Als ich wiederkam konnte ich 5 Tage bei einer Freundin wohnen, die im Urlaub war und ihre Katze pflegen. Danach war ich bei verschiedenen Freunden auf der Couch, dann im Hostel und hatte dann einen Shared Room bekommen. Das absolute Gegenteil von dem was ich gesucht hatte, aber egal dachte ich. Sollte es dann aber bereuen. Eine halbe Woche war ich in dem Haus und hab jeden Tag neue Stiche/Bisse gehabt. Keine Bettwanzen, die ja Straßen beißen, aber irgendwas war dort im Haus. Ich hab mir zuerst garnichts dabei gedacht, weils aussah wie Mückenstiche. Hätte meine Freundin nichts gesagt, wäre ich jetzt wahrscheinlich immer noch in dem Haus.

Die Story „Ramsgate Avenue“

Nach so viel hin und hergeziehe hatte ich echt keine Lust mehr und bin quasi noch am Tag der Hausbesichtigung dort eingezogen. Die Alternative war Hostel gewesen. Das Haus war alt und oll, viel zu teuer, keine Waschmaschine, geteiltes Zimmer mit einem Spanier und absolut nicht das was ich haben wollte, aber ich dachte als Übergang wird schon gehen. Am nächsten Tag nach Einzug kam der Kammerjäger, was in Sydney wegen der ganzen Kakerlaken und so nicht ungewöhnlich ist. Die Vermietungsagentur brachte neue Vorhänge vorbei und alles sollte soweit ok sein. Aber dann kamen die Bisse und bei genauerem Hinsehen fand ich tote Bettwanzen. Und eine lebende, aber sehr ausgehungerte Bettwanze. Zum Glück hatte ich nur die nötigsten Sachen mitgenommen und war noch nicht vollständig eingezogen. So ist der größte Teil meiner Klamotten immer noch in dem alten Shared Flat und ich muss mir keine Sorgen machen, dass dort Viehzeug drin ist.

Für all meine Sachen, die ich mit hatte, hab ich alles durchgewaschen und auf höchster Stufe in den Trockner gesteckt. Das soll sie angeblich töten. Ich bin also Hals über Kopf dort ausgezogen und hatte Glück, dass ich noch keine Kaution gezahlt hatte, denn das Geld wäre sonst jetzt weg. Der vorherige Bewohner, ein Kiwi-Franzose, ist zwar mega sauer, weil er ja seine Kaution zurück haben will und dachte mit mir hat jemand dummes gefunden, der die Bugs nicht merkt oder zu spät merkt, aber ich bin üblicherweise die erste, die’s abbekommt. So wartet er also vergeblich, dass ich ihm 690$ anteilige Miete und die Kaution zahle. Noch dazu darf ich mir anhören, dass es unfair von mir ist, er sei fair gewesen und hat mir eine Nacht umsonst gegeben. Ja danke Vollidiot. Sehr großzügig mich in ein Haus voller Bugs zu setzen. Und er wusste bestens Bescheid. Und so lange ich nicht weiß was mich gebissen hat, werde ich das erstmal beobachten und gegebenenfalls zum Arzt gehen. Denn Bedbugs scheinen es diesmal nicht zu sein.

Die Traveler-Realität

Das ist also mein Leben momentan. Irgendwas ist immer los. Kein Job, zu wenig Arbeit, kein Haus, Bisse,… Es geht mir super auf die Nerven momentan und ich hätte Bondi schon längst verlassen, hätte ich nicht den neuen Job. Also werde ich jetzt doch erstmal wieder im Hostel wohnen, Geld sparen und hoffen, dass alles wieder etwas besser wird.

2 Gedanken zu “Bondi Bubble und die etwas unschöne Seite des Traveler-Lebens

  1. Pauline schreibt:

    Oh man… das hört sich ja gerade extrem Nervenaufreibend und Stressig an…
    Und irgendwie auch alles andere als positiv :D Was mir natürlich total ungelegen kommt, da ich gerade vor 2 Wochen meinen FLug nach Australien für ein Jahr Work&Travel gebucht habe :D Ich bin natürlich trotzdem positiver Dinge und freue mich riesig, aber solche Berichte sind dann ja doch eher.. abschreckend :D
    Vielleicht findest du ja irgendwann mal die Zeit einen Blogpost mit „Überlebenstipps für Backpacker“ oder so zu schreiben, wenn dein Chaos etwas beseitigt ist :) Das würde mir und vielen anderen sicher sehr helfen :)

    Liebe Grüße
    Pauline <3

    http://www.mind-wanderer.com

    Gefällt 1 Person

    • kompasskind schreibt:

      Hey Pauline,

      Super, dass du den Schritt gewagt hast und die Chance nutzt, Australien zu erleben! Mein Blogartikel sollte keine Abschreckung sein, aber die meisten haben dieses makellose Bild im Kopf vom Reisen, dass immer alles schön und einfach ist. Purer Spaß. Aber die Realität sieht häufig anders aus. Egal, ob zu Hause oder unterwegs, es gibt immer Hindernisse. Im Ausland sind es andere als in meinem deutschen Alltag und das wollte ich einfach mal loswerden :)
      Aber am Ende ist es auch alles nichts dramatisches oder bedrohliches und ich habe trotzdem ein gutes Leben hier.
      Guter Gedanke! Ich werde mal nachdenken, was meine Überlebenstipps für Backpacker wären.
      Ich hoffe du hattest einen tollen Start in dein Working Holiday und ich würde mich freuen von deinen Erfahrungen zu hören!

      Liebe Grüße
      Liane

      Gefällt 1 Person

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