Mein Fazit – Myanmar

Myanmar war das bisher extremste Land, das ich in meinem Leben bereist habe. Es war eine großartige Erfahrung! Es ist so vielseitig, so freundlich und noch so unberührt vom Tourismus. Ich war tatsächlich ganze 4 Wochen dort, vom 10.11. bis 7.12.2015. 4 Wochen waren lang! Ich kann kaum glauben, dass ich es so empfinde, aber 4 Wochen waren echt super lang für Myanmar und ich wäre auch schon 10 Tage eher weiter gereist, hätte ich nicht vorab den Flug am 7.12. gebucht! 

Klima

Myanmar ist wirklich ein schönes Land. Yangon, Mawlamyine, Hpa-An, Kinpun Sakhan, Kalaw, Inle Lake, Bagan und Mandalay habe ich besucht und war überrascht, wie sehr das Klima sich verändert, je nachdem wo man ist. In Kalaw zum Beispiel war es wirklich kalt! Ohne lange Hose und Pulli friert man! Vor allem abends und nachts gehen die Temperaturen auf 15 Grad runter und selbst die Einheimischen tragen Wollmützen und Winterkleidung! Auch am Inle Lake wurde es kalt sobald die Sonne untergegangen war (gegen 17.30 Uhr).

Yangon ist immer heiß – egal ob tagsüber oder nachts. Man schwitzt.

Mandalay war angenehmer und weniger heiß als Yangon (trotzdem heiß tagsüber) und kühlte abends etwas runter, sodass es auch in leichter, langer Hose abends gut erträglich war.

Kleidung

Was mich überrascht und auch ein bisschen beeindruckt ist, dass die Frauen zu bestimmt mind. 95% die traditionellen langen Röcke und Blusen, die die Schultern bedecken, tragen. Hosen und westliche Kleidung sieht man einheimische Frauen eher selten tragen. Bei Männern etwas häufiger, aber auch die tragen meist den traditionellen Longyi – ein Schlauchtuch, dass sie um die Hüfte Knoten und aussieht wie ein langer Rock. Ich habe mich meistens wie immer gekleidet und auch kurze Hosen und Röcke getragen (Blicke zieht man als hellhäutige/r und hellhaarige/r Europäer/in so oder so auf sich). Nur abends habe ich häufiger auch mal weite, lange, dünne Baumwollhosen getragen.

Alleine Reisen in Myanmar

Darüber kann ich eigentlich garnicht viel sagen, weil ich direkt im ersten Hostel in Yangon Leute getroffen habe und so garnicht alleine gereist bin. Aber ich schätze es war auch gut so, denn Myanmar ist nicht wie Thailand und der Rest Asiens, wo massenweise Backpacker unterwegs sind. In Myanmar gibt es immer noch wenig Hostels (und allgemein Hotels/Guesthouses) im Vergleich zu anderen Orten. Man trifft deutlich weniger Backpacker und sieht viel mehr Gruppentouren 40+ bis ins Rentenalter (vor allem in Kalaw zum Wandern oder Radfahren und Bagan). Ich habe wenige Alleinreisende gesehen und das waren meist Männer über 30. die meisten 20+ Reisenden waren entweder als Pärchen oder mit einer Freundin oder einem Freund unterwegs oder hatten sich unterwegs zusammen geschlossen. Von daher war ich sehr glücklich nicht alleine unterwegs zu sein.

Manieren in Myanmar 

Das war mit Sicherheit einer meiner größten Störfaktoren in Myanmar. Die Unterschiede zu Europa sind enorm. In Myanmar hört man andauernd Leute rotzen, rülpsen, spucken und wer weiß was noch. Einer meiner größten Schockmomente war, als in einer der engen, von Verkaufständen gesäumter Gassen ein Taxifahrer mit zwei Passagieren hinten drin im Schritttempo an mir vorbei fuhr. Ich stand direkt neben der Fahrertür und sah wie er mit einer Hand lenkte und mit der anderen eine Flasche zwischen seine Beine hielt, die sich füllte…

Probleme Myanmars

Eines der offensichtlichsten Probleme Myanmars ist zum Beispiel die Umweltverschmutzung. Die Vermüllung der Landschaft mit Plastik ist unvorstellbar! Es war wirklich traurig zu sehen, dass einfach überall – in Flüssen, Seen, am Straßenrand, auf Feldern – Plastik rumliegt.

Straßenhunde gibt es dermaßen viele und fast alle in schlimmen Zuständen, dass man ihnen nicht zu nahe kommen möchte, weil man die Krankheiten schon aus ordentlicher Entfernung wahrnimmt. Viele sind abgemagert und knochig und den Weibchen sieht man an, dass sie schon massenweise Junge bekommen haben müssen. Trotzdem interessiert oder stört sich niemand  daran. Das die Hunde gefährlich werden oder betteln habe ich nicht erlebt.

Was ebenfalls allerorts unübersehbar ist, ist die Kinderarbeit, die ganz normal zu sein scheint. Es gibt massenweise Kinder, die in kleinen Shops oder in Restaurants arbeiten und Leute bis 23 Uhr nachts bedienen. Es gibt aber auch vor allem in Yangon viele Kinder, die betteln. Auf der 19th Street gibt es jede Menge Restaurants, wo wir häufig gegessen haben. Jeden Abend wird man fast permanent von abwechselnden Kindern angesprochen und nach Essen und Geld gefragt. Wenn man mehrere Abende dort verbracht hat, merkt man, dass es immer die selben sind und teilweise auch Mütter, die entweder mitgehen oder sich irgendwo in der Nähe befinden. Es war wirklich hart all das zu sehen. Wenn 6 Jährige mit ihrem Bruder von vielleicht 1-2 Jahren auf dem Rücken dir beim Essen zu sehen oder ein kleiner Mönch Spenden sammelt, wirklich junge Mütter mit ihren Babys auf dem Arm oder auch körperlich behinderte Menschen um Geld oder essen bitten. Wenn wir Essen übrig hatten, haben wir (und andere z.T. auch) es abgegeben und die Kinder haben es eingepackt. Aber ich habe nie ein Kind essen sehen, von daher befürchte ich, dass sie tatsächlich nur von ihren Eltern oder anderen Erwachsenen benutzt werden.

Ausgaben – was kosten 4 Wochen Myanmar? 

Ich habe ausgerechnet, dass ich mit knapp 30€ pro Tag ausgekommen bin. Wir hatten mit Sicherheit nicht die schönsten und teuersten Unterkünfte aber meist findet man schon ab 10 bis 25€ saubere Hotels in akzeptablem bis gutem Zustand. Man sollte aber teilweise nicht zu viel erwarten. Handtücher, Bettlaken und eigentlich alles ist meist ein paar Jahre alt und hat häufig entweder nicht auswaschbare Flecken, Löcher oder wurde mit dunklen Sachen gewaschen, sodass es nicht mehr strahlend weiß ist. Die handwerklichen Fähigkeiten und Standards unterscheiden sich ebenfalls sehr von den Deutschen, häufig sichtbar im Bad. Toiletten waren aber in all unseren Hotels die üblichen westlichen. Die Hotels und Guesthouses waren teilweise sehr unterschiedlich was diese Äußerlichkeiten und Standards anging. Es gab einerseits sehr schöne, ordentliche Hotels für wenig Geld und andernorts für das gleiche Geld wesentlich mehr heruntergekommene. Aber nichts desto trotz man findet immer was, erst recht wenn man noch ein paar Euro mehr bezahlen kann/möchte. Das Frühstück war in jedem Hotel im Preis inklusive und es gab eigentlich immer auch Toast mit Butter und Erdbeermarmelade zur Auswahl.

Mahlzeiten sind sehr günstig, vor erst recht wenn man die asiatischen Reis- und Nudelgerichte wählt. Diese kosten in einem Restaurant der Einheimischen ca. 2000 Kyat (= nichtmals 1,50€). Getränke (Cola, Sprite u.ä) kosten je nach Restaurant und Menge 300 bis 1000 Kyat. Eine große Flasche Myanmar Bier (640 ml) kostet 1.800 bis 2.500 Kyat, meistens aber 2.000 Kyat. Europäische Gerichte oder Restaurants, die auf Touristen ausgelegt sind, sind meist fast doppelt so teuer oder mehr. Vor allem in Bagan gibt es viele davon, aber die Qualität der westlichen Gerichte ist meist (aus meiner eigenen Erfahrung) gut und der Preis im deutschen Vergleich trotzdem noch günstig.

Trotz meiner Langzeitreise habe ich bisher nie sehr auf meine Ausgaben geachtet. Ich habe das gegessen worauf ich Lust hatte. Ich habe bestimmt 4-5 Mal Pizza gegessen, auch mal bei KFC in Yangon, mal Pasta und Nachtische. Ich würde also nicht sagen, dass ich am Essen gespart habe und wir haben auch bei den Bussen immer die klimatisierten und vor allem bei den Nachtbussen die teuersten und luxuriösesten gewählt (und selbst die Kosten nur zwischen 14.000 und 20.000 Kyat je nach Strecke, also 10-15€). Es wäre also durchaus möglich auch mit weniger Geld in Myanmar auszukommen und gut zu leben, aber das ist dann doch nicht so meins.

Fazit

Myanmar ist eine Reise wert! Je eher desto besser, denn die Dinge verändern sich sehr schnell und irgendwann ist es vielleicht ein 2. Thailand und von Touristen überrannt. 2-3 Wochen reichen, um alle oder zumindest die meisten Orte zu sehen.

Ein Gedanke zu “Mein Fazit – Myanmar

  1. Stefan Schulte-Derne schreibt:

    Hallo Lily,
    das ist ja sehr spannend, deine Eindrücke von Myanmar zu lesen. Es ist schon eine andere Welt für uns Mitteleuropäer. Besonders die tollen Bilder, die Du gemacht hast haben mir sehr gefallen.
    Übrigens, du hast noch gar nichts weiter von den Erfahrungen mit Vipassana geschrieben. Es würde mich sehr interessieren wie das für dich war.

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