2,5 Tage wandern zum Golden Summit des Mount Emei

Wer hätte es gedacht.. Die Berge hatten mich schnell wieder. Und noch immer bin ich eigentlich kein großer Fan des Wanderns. Aber 2,5 Tage waren ja kurz im Vergleich zu meiner letzten Wanderung. 

Emei

Ich kam per Bus von Chengdu bis zum Giant Buddha in Le Shan und von dort mit dem lokalen Bus nach Emei. Emei ist das kleine Städtchen am Fuß des Berges. Hier holte ich mir erstmal Infos zu der Strecke, Entfernungen, Übernachtungsmöglichkeiten, etc. ein.

So ganz überzeugt war ich nicht, weil das Englisch der Chinesen einfach sehr schlecht ist und ich erstmal auch keinen Reisenden traf, der die Strecke gemacht hatte. Erst am Abend trafen zwei Amerikaner ein, die mir bestens Auskunft geben und die all meine Fragen beantworten konnten. Anschließend kam noch ein Mexikaner und ein Deutscher, die ebenfalls die Wanderung machen wollten. Der Mexikaner hatte aber nur 2 Tage und lief daher eine verkürzte Strecke, indem er einen Bus zu deinem Startpunkt nahm.

Das ganze beruhigte mich dann insofern, dass es nicht irgendein absolut einsamer Wanderpfad ist auf dem man sich verirren kann. Im Gegenteil handelte es sich um einen sehr eindeutigen Weg, der größtenteils aus Treppenstufen bestand.

  
Tag 1 – Bauguo Tempel bis Hong Chun Ping Monastery 

Unerwarteter Weise schloss sich der Deutsche mir am nächsten Morgen an. Er hatte keinen Plan und hatte sich auch garnicht erkundet.
Um 9 Uhr liefen wir gemeinsam vom Hotel los. Die Strecke war wunderschön. Sie führte uns direkt in den Wald, vorbei an einigen buddhistischen Tempeln, denn Mount Emei ist ein heiliger Berg. Wir passierten eine Stelle mit vielen Affen, die eine große Attraktion für die chinesischen Touristen war. Leider wurden sie zu viel gefüttert und sind zu unfreundlichen, aggressiven Tieren geworden, die Touristen anspringen, Rucksäcke öffnen und alles essbare klauen. Davon konnte ich an dieser Stelle direkt Zeugin werden und hielt entsprechend Abstand.

Es war super warm und die Luftfeuchtigkeit hoch.


Wir liefen zahlreiche Treppenstufen abwechselnd mit gepflastertem Weg. Es war nicht einfach vom Weg abzukommen, da auch größtenteils Geländer vorhanden war. Von 550 Metern am Startpunkt (Bauguo Tempel) erreichten wir am Nachmittag auf 1.120 Meter die Hong Chun Ping Monastery.

Hier konnte man gegen Geld (50-100 Yuen pro Person) verschiedene Zimmer beziehen. Ein Schlafsaal (getrennt nach Geschlecht, da dies hier ein Kloster ist) war am günstigsten. Ein 2- oder 3-Bettzimmer kostete 70 Yuan. Alle Zimmer (mit Ausnahme des Luxusdoppelzimmers) waren sehr simpel eingerichtet. Die Betten hatten sehr dünne Matratzen, eine Bettdecke und Kopfkissen, die beide bestimmt nicht nach jedem Gast gewaschen worden sind, weshalb ich immer meine Jacke aufs Kopfkissen lege. Mit Bezug des Zimmers bekam ich eine große Thermoskanne warmes Wasser.

Die Toiletten

Ich habe ja so einiges an Toiletten gesehen in Asien. Aber China gewinnt den Preis der stinkendsten, dreckigsten und seltsamsten Toiletten.

Im Kloster gab es einen halbrunden Toilettenraum mit relativ großen rechteckigen Öffnungen im Boden, sodass alles über Schächte in der Mitte des Halbkreises landete. Nennt man so etwas Plumpsklo? Und nicht nur das. Die Bodenöffnungen waren nur durch halbhohe Wände voneinander getrennt und offen nach vorne. Sehr, sehr merkwürdig für mein Empfinden!

Ähnliche Toiletten gab es in den Klöstern häufig. Manchmal mit Wasserspülung, manchmal ohne.

Frühstück der Mönche 

Für nur 10 Yuan konnte man mit den Mönchen um 6 Uhr frühstücken, was ich allerdings am ersten Tag verschlafen habe. Trotzdem bekam ich das gleiche Essen später serviert. Auswahl gibt es nicht wirklich. Es gibt einfache Hefeklöße, einen matschigen Reisbrei und zwei Gemüsesalate (einer davon Gurke, der andere keine Ahnung), die aber beide sehr scharf waren.

Tag 2 – von Hong Chun Ping nach Xixianchi Monastery 

Um 8 Uhr ging’s los. Die ersten 3 Stunden sollten die schwerste Strecke der gesamten Wanderung werden. Es ging endlos viele Treppenstufen den Berg hoch. Und es zog und zog sich.

Schon eine Stunde später wurde ich von Affen attackiert. Genau genommen von einem großen Männchen. Eine ganze Bande wartete verteilt Wegesrand aber nur das Männchen kam auf uns zu. Vorne stand bereits ein Chinese mit Wanderstock. Man hatte auch mir häufig diese Stöcke gegen die Affen angeboten, aber ich hielt sie für überflüssig. Wir versuchten also uns hinter dem Chinesen mit dem Stock zu verstecken, was mir als 3. und letzte nicht gelang. Der Affe stellte sich auf seine Hinterbeine, Griff nach meinem Rucksack und zog mit erstaunlich großer Kraft daran. Er war locker halb so groß wie ich! Er fasste meine Wasserflasche, die außen im Rucksack steckte und versuchte sie heraus zu ziehen, was etwas dauerte, da er sie zur Seite statt oben zog. Ich bat den Chinesen um Hilfe aber er hatte absolut keine Ahnung wie er den Stock einsetzen sollte. Während der Affe also halb an mir hing, versuchte der Chinese den Affen mit dem Stock weg zu schieben, was aber nur darin endete, dass der Affe den Stock Griff seine Zähne fletschte und böse fauchte. Dann zog er wieder heftig an meinem Rucksack, hatte die Flasche rausgeholt, die ihn garnicht interessierte  ließ sie die Treppen runter rollen. Er versuchte den Reißverschluss zu öffnen, konnte aber glücklicherweise die Zipper nicht finden, da ich die an der anderen Seite gut versteckt hatte.

Ich hatte genug. Keiner konnte mir helfen und ich beschloss mich langsam weiterzubewegen. Gleichzeitig kamen weitere Chinesen um die Ecke, die dann zu meinem Glück Ziel der Affenbande wurden und das riesen Tier ließ von mir ab. Der Rucksack der Chinesen mit Orangen und anderen Snacks wurde geplündert. Von hier an hatte ich wirklich Angst und bewaffnete mich mit einem Stein, den ich Ihnen beim nächsten Mal vor die Füße geworfen hätte. Aber dazu kam es zum Glück nicht mehr.

Der Wald war quasi schon ein Dschungel. So grün und feucht. Es war warm, wahrscheinlich irgendetwas über 20 Grad. Ich schwitze wie sonst was und meine Kondition war schnell am Ende, sodass ich häufiger kleine Pausen machte. Die Aussicht war teilweise super schön, aber durch die ganzen Pflanzen konnte man häufig garnicht so viel vom Ausblick sehen.

Nachmittags wurde die Strecke teilweise etwas flacher und angenehmer, aber bei mir war wieder der Punkt erreicht, wo ich so langsam keine Lust mehr auf wandern hatte.

Gegen kurz nach 16 Uhr erreichten wir das Xixianchi Kloster – auch Elephant Bathing Pool genannt, wegen des Teichs mit Elefant drin. Ich wollte wirklich keinen Schritt mehr gehen an diesem Tag. Nicht weil meine Beine weh taten, sondern aus Erschöpfung. Meine Kondition ist einfach so lala. Ich schaffte es gerade noch zum nächsten Restaurant, um einen Schoko Pancake zu essen und dann zurück ins Bett. Nach dem Pancake hatte ich auch keinen Hunger mehr, sodass ich das Essen mit den Mönchen ausließ. Ich schlief, bis ich am nächsten Morgen um 5 Uhr durch die Aktivitäten meiner chinesischen Zimmergenossinen geweckt wurde.

Tag 3 – Xixianchi Monastery zum Golden Summit 

Da ich eh schon so früh wach war, beschloss ich diesmal auch mit den Mönchen um 6 Uhr zu frühstücken. Es gab wieder diesen matschigen Reisbrei und verschiedene scharfe Gemüsesalate zur Auswahl und dazu Hefeklöße.

Um 7 Uhr ging’s dann auch schon an die letzte Etappe. Es ging zunächst wieder steil die Treppen bergauf. Erst später wurde es etwas flacher. Ich lief alleine und genoss die Ruhe. Hin und wieder begegnete ich chinesischen Gruppen, die immer laut erzählten.

Es dauerte nur knapp 2 Stunden bis ich an dem Busbahnhof ankam, wo auch massig chinesische Touristen per Bus anreisen um von dort auf den Golden Summit zu fahren.

Cable Car 

Ich beschloss mit dem Cable Car auf den Gipfel zu fahren, da ich dann am selben Tag noch einen Nachtzug nach Kunming nehmen konnte. Ich hatte zwar gelesen dieses letzte Stück sei super schön zu wandern, aber ab hier war es auch deutlich kühler und wurde immer kälter je höher man kam. Und es waren nochmal an die 500 Höhenmeter zu überwinden.

An dieser Stelle wurden sogar winterjacken verliehen, an Leute, die nur in Sommerklamotten kamen. Schließlich war es am bergfuß über 25 Grad und sonnig.

In wenigen Minuten brachte mich die Seilbahn zusammen mit einem Haufen Chinesen auf den Gipfel. Westliche Touristen habe ich in China generell wenige gesehen.

Golden Summit

Oben angekommen auf 3.079 Metern war es super wolkig. Man lief quasi in den Wolken und die Sicht war nur einige Meter weit. Von der Landschaft drumherum war also nichts zu sehen und der Golden Summit war in grüne Tücher gehüllt, weil er restauriert wird. Dementsprechend gab es also nicht so richtig viel zu sehen und ich war schnell wieder auf dem Rückweg nach unten, um den Bus nach Emei zu nehmen.

  
Stromausfall

Mittags erreichte ich Emei und hatte ausreichend Zeit zu essen, zu duschen und mich auf Kunming vorzubereiten, also eine Unterkunft zu buchen, die Karte von der Provinz Yunnan herunterzuladen und Infos einzuholen, was man machen könnte. ABER nein! Ich kam in die Unterkunft, wo ich zuvor übernachtet hatte und erfuhr, dass Stromausfall war! Also kein Internet. Der Strom kam leider auch nicht wieder und um 15 Uhr fuhr ich einfach auf gut Glück zum Bahnhof um ein Ticket zu buchen. Ich wusste, die Züge fuhren alle frühestens ab 16 Uhr.

Und tatsächlich gab es noch 3 freie Betten, sodass ich einparken Stunden später nach Kunming reisen konnte.

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